Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!

Der Papst wurde gekonnt hereingelegt. Er reagierte, wie man es von einem Deutschen erwartet hatte. Nun weiß die Welt, auf wessen Stimme der Papst zu hören und unter welches Dogma er sich mit seinen anderen Dogmen zu beugen hat. Ein mutiger und wahrheitsliebender Papst hätte sich in der nichttheologischen Sache zurückgehalten und statt einer pflichtbewußten Antwort die Archive des Vatikans bezüglich des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegsbehandlung Deutschlands geöffnet und dafür gesorgt, daß fachkundige Historiker und nicht Propagandisten aus Deutschland den Sachverhalt historisch-kritisch klären – was auch immer dabei herausgekommen wäre. Doch das wäre angesichts der Machtverhältnisse „taktisch“ nicht klug gewesen. Aber soll der Papst taktisch klug sein? Eher wahrhaft! Aber Wahrheit gibt es nicht auf Gehorsam – auch nicht einem Papst gegenüber, Wahrheit erringt man sich nur aufgrund ehrlicher Anstrengung und selbst dann leider nur in Annäherung; und es gibt sie nur so, daß man sein Leben dran wagen muß – woran auch sonst. Alles andere ist Geschwätz, wie der größte Teil dessen, was wir Leben nennen.

Der Kooperationsrat der arabischen Golfstaaten, dem Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuweit, Bahrain, Katar und das Sultanat Oman angehören, hat laut arabischer Zeitungen vom 6. Februar die gewaltsame Beschlagnahme eines libanesischen Schiffs mit 60 Tonnen Hilfsgütern für die Bevölkerung des palästinensischen Gaza-Streifens durch Israel eine „Piratenaktion“ genannt, die eine „Fortsetzung der verbrecherischen Politik Israels gegenüber dem palästinensischen Volk ist“. Gewiß starke Worte! Der GCC rief die Weltgemeinschaft, insbesondere den UN-Sicherheitsrat auf, „ernsthafte Sofortmaßnahmen zur Sicherheit des libanesischen Schiffes und dessen Besatzung zu ergreifen und die schändlichen Handlungen Israels gemäß den Bestimmungen des Völkerrechts zu unterbinden“. Haben denn die vielen ähnlichen Aufrufe seit 1948 je etwas gebracht? Wer im Westen wird sich daran halten, Konsequenzen ziehen, wenn dies nicht einmal die „arabischen Brüder“ tun? Das Dollarhemd war ihnen immer näher als der Bruderschaftsrock.

Bis zum 30. Juni 2008 war der Wert aller umlaufenden Anleihen in der Welt auf sagenhafte 86.086,7 Mrd. US-Dollar, also auf über 86 Billionen gestiegen. Allein in den letzten zwölf Monaten davor hatten sie um sagenhafte 12 Billionen US-Dollar zugenommen. Was ist mit dem Geld geschehen, welche Werte wurden dafür geschaffen? Nur die noch offenen Anleihen (ohne die Derivate) entsprachen damals rund 154% der ermittelbaren Weltwirtschaftsleistung. Hat irgend jemand Konsequenzen daraus gezogen? Das erforderliche Geld, um diese Anleihen unterzubringen wurde geschaffen – ohne Gegenwert. Früher nannte man das Wechselreiterei und sperrte die Reiter ein. Heute hat jeder darauf gebaut, daß das Ganze nicht auffliegt, bevor er seine Schäfchen im Trockenen hatte. Jeder wußte: Den letzten beißen die Hunde. Alle sorgten sich nur darum, nicht selbst zu den letzten zu gehören. Wenn eine solche Einstellung weit verbreitet ist, kann man eine Welt geplant in den Ruin treiben, ohne daß ihre Bewohner Einspruch erheben – denn keiner ist in eigener Vorstellung der letzte. Dies sind immer nur die anderen, alle anderen Gehorsamen – zur Freude derer, die über den Dingen stehen und den Finanzsalat anrichten. Die Zahlen waren bekannt, die Folgen leicht errechenbar. Es gab genug Hinweise auf die Folgen. Haben die vielen Hinweise seit 1944 (Bretton Woods, Dollar als Weltreservewährung) oder seit 1971 (Trennung der Finanzmärkte von der werteschaffenden Wirtschaft) je etwas gebracht? Sie verhallten im Hecheln der Schnäppchenjäger.

Jetzt pfeift die heiße Luft aus dem System. Der Wert aller umlaufenden Aktien der Welt, lag laut Bloomberg Ende Oktober 2007 bei 62,5 Billionen US-Dollar. Das vorläufige Tief am 20. November 2008 lag bei 27,7 Billionen: Wie gewonnen so zerronnen. Die produzierende Wirtschaft, die den Werten entsprechen soll, kann die Bevölkerung nicht mehr ernähren. Die FAZ warnte am 30. Januar: „Humanitäre Katastrophe droht“ – „Die Krisen des vergangenen Jahres haben mehr als 100 Millionen Menschen in Not und Elend zurückgeworfen. Durch das zeitliche Zusammenfallen von Ernährungskrise und Finanzkrise müssen über eine Milliarde Menschen hungern. Auch Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sprach von einer „humanitären Katastrophe“, der CSU-Politiker Ruck von einer „kritischen Phase“ der Entwicklungspolitik, der FDP-Abgeordnete Königshaus warf der Ministerin vor, keine Analyse für die Gründe der neuen Armut geliefert zu haben. Die Grüne Ute Koczy kritisierte, die EU-Ausfuhrhilfen für Milchprodukte vernichtete die Existenz vieler Bauern in Afrika. Trotz der beschlossenen Aufstockung des Etats des Entwicklungsministeriums um 5,8 Mrd. Euro ist das nur Geschwätz, „window dressing“ für dumme Leute. Die reale Wirtschaft wurde gezielt zurückgefahren, „gesundgeschrumpft“ mit vorhersehbaren Folgen, wie ein Messer, das man einem in den Bauch rennt. Und Sie hören noch immer auf solche „Experten“.

All die Milliarden an Entwicklungshilfe in den vergangenen Jahrzehnten hat den entsprechenden Ländern kaum etwas an Entwicklung gebracht. Das Geld ging an Banken, die in Ermangelung anderer kreditwürdiger Kreditnehmer den Nackigen Kredite aufgenötigt hatten. Als sie ihnen nicht mehr in die Tasche greifen konnten, weil die Rohstoffe inzwischen in sicheren Händen waren, mußten sie der Zinsen wegen in unsere Taschen greifen. Das hieß dann Entwicklungshilfe. Das wiederholt sich nun mit den „Hilfspaketen zur Rettung der Wirtschaft“. Insolvente Schuldner reichen die Regierungsgelder oder von der Regierung abgesicherter Kredite an ihre Bankiers weiter, um ihre Insolvenz etwas hinauszuzögern und Schulden in den Bankbüchern weiter als „werthaltig“ führen zu lassen. Geschaffen wird dadurch nichts, und die neuen, zusätzlichen Kredite machen sie nicht kreditwürdiger.

Das Krisenproblem ist doch nicht, daß den Banken das Geld ausgegangen sei und sie keine Kredite mehr vergeben könnten. Banken schaffen sich das Geld weitgehend aus dem Nichts (aus 4% und noch mal 2% „high powered money“ Hinterlage). Ihr Problem ist, kreditwürdige Kreditnehmer zu finden. Wirtschaft, Staaten und Haushalte sind weitgehend überschuldet und damit kaum mehr kreditwürdig. Daß das so ist, folgt nicht aus der Bösartigkeit der Bankiers (die aber nicht auszuschließen ist), eher aus ihrer Dummheit. Im wesentlichen ist sie systembedingt: Des einen Ausgaben/Kosten sind des anderen Einnahmen/Erlöse, für Geldgewinn ist in einem solchen System kein Geld vorhanden (wenn der Markt die Preise schnell einregeln würde, was er natürlich nicht tut). Ferner: Geldgewinn hat Geldvermehrung als Voraussetzung. Geld wird schließlich nur als Schuld/Kredit erzeugt und bei Rückzahlung des Kredits wieder vernichtet. Da bei der Gelderzeugung durch Kredit die fälligen Zinszahlungen in der Regel nicht mit erzeugt werden, werden die erforderlichen Zahlungsmittel aus dem Geldumlauf der Wirtschaft abgezweigt, beziehungsweise durch zusätzliche Kredite, die nicht wertschöpfend eingesetzt werden, zinsträchtig geschaffen. Auf diese Weise akkumuliert sich erst sehr langsam aber geometrisch ansteigend die Verschuldung in der Wirtschaft, bis sie jede weitere produktive Initiative unterdrückt (Natürlich machen auch einige entsprechend Geldgewinne, d.h. akkumulieren Forderungen, aber die tummeln sich weitgehend auf den Finanz- und nicht auf den Gütermärkten; sie wollen Macht aber keine Produkte). Durch allerlei Finanzmarktinnovationen, die nüchtern betrachtet nichts anderes als schöngefärbte Wechselreiterei sind, werden immer mehr Zahlungsmittel geschaffen und in Umlauf gebracht. Das beschleunigt den geometrischen Anstieg der Verschuldung über das noch tragfähige Maß hinaus. Jeder der rechnen wollte, konnte sich davon überzeugen.

Dieser System-Fortschritt in die geplante Verschuldung wurde in der Vergangenheit durch die sogenannten Kondratieff-Zyklen immer wieder unterbrochen. Das geschah, weil bei Ausbruch systemischer Krise Produktivitätssprünge durch neue Technologien möglich wurden. Dabei wurden die Inhaber der alten Technologien radikal entwertet und aus dem Markt geworfen, und weil dem Produktivitätssprung nicht die Preise entsprechend einbrachen, eröffnete die entsprechend sprunghafte Ausweitung des Geldkreislaufs eine neue Runde des Kreislaufs. Die heute in Aussicht genommen „neuen“ Technologien ermöglichen einen solchen Quasi-Neuanfang nicht, weil sie (die sogenannten „erneuerbaren“ Energien) nicht zu einem Produktivitätssprung, sondern zu einem Produktivitätseinbruch mit entsprechendem Wirtschaftsschrumpfen führen.

Auch eine solche systemlogische Entwicklung ist kein Geheimnis, sondern den Managern des Systems (nicht unbedingt den hochdotierten Über-den-Tisch-Ziehern in den Firmen) wohlbekannt. Daraus ergeben sich dann zum Beispiel Forderungen wie diejenige von der schon am 24. Januar in der Leipziger Volkszeitung zu lesen war. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes forderte die Deutschen auf, auf Fleisch weitgehend zu verzichten („Ich empfehle eine Rückkehr zum Sonntagsbraten!“). Troge will mit Hilfe des „Klimaschutzes“ das Finanzsystem retten. Kühe seien „wahre Klima-Killer“, meint er, weil sie bei der Verdauung Methan freisetzen, was die Atmosphäre […] Neben der Regelung und Kontrolle gegen den selbsterzeugten Terrorismus fordert er nun entsprechende Umweltregelungen: Fleisch nur noch sonntags. Schokolade montags. Sauerkraut (wegen des Methans beim Menschen) allenfalls dienstags oder ganz verbieten, Bier nur am Sonnabend usw.

Was hat das mit dem eingangs erwähnten Dogma der Dogmen zu tun? Wer sich an Dogmen hält, ohne sich über den Wahrheitsgehalt ein Urteil zu verschaffen, wird sich – vernünftig wie er dadurch nun einmal geworden ist – früher oder später jeder Verhaltensregelung beugen. Das ist der Grund, weshalb die Massen von ansonsten nicht ganz dummen Leuten mit Geßlerhüten auf der Stange (siehe Schillers Wilhelm Tell – so eine Angabe sei beim heutigen Bildungsstand erforderlich, hat man mir gesagt) geradezu gereizt werden: Nur Übung macht den Meister.

Die Übung ist erforderlich, damit Leute nicht über zusätzlichen Belastungen unter dem Vorwand Klimaerwärmung lachen, wenn sie in den Januar Informationen hören: 20 cm Schnee in Jebel Jais am Golf. Die Leute dort haben nicht einmal ein Wort für Schnee in ihrer Sprache. Holländer fahren zum ersten Mal seit langem wieder auf ihren zugefrorenen Kanälen Schlittschuh, dabei hat sich Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop, das Handgelenk gebrochen hat (wohl wegen der fehlenden Übung in früheren Jahren). In den USA gab es minus 38 °C in Nordwest Minnesota. Man mußte dort wegen des hohen Schnees Hundeschlittenrennen absagen. In Florida erstarrten die Zitrusbäume im Eis. Das Eis dehnte sich in der Arktis, statt abzuschmelzen, in Rekordtempo aus. Südamerika klagte über zu kalte Sommer, nur in Australien war es verhältnismäßig warm. Aber das verstehen Sie nicht, darüber informieren sie nur Fachautoritäten wie Herr Rahmstorf, Schellenhuber Latif und Konsorten.

Selbst den Linken in den USA kommen allmählich Zweifel. Der bekannte linke Umweltforscher der Universität Pennsylvania, Dr. Robert Giegengack sagte der Pennsylvania Gazetta „Ich glaube nicht, daß Globale Erwärmung es unter die ersten zehn Ursachen schafft, die dem Menschen schaden“. Kommentator und Obama-Fan, Harold Ambler, meinte in der Huffington Post: „Gore schuldet der Welt eine Entschuldigung für das, was er ihr mit seinen Aktionen in Sachen Klimaerwärmung angetan hat“. Die Behauptung „the science is in“ (die Wissenschaft ist geklärt) ist in diesem Fall die dickste Lüge (whopper), die der Menschheit in ihrer Geschichte je verkauft wurde.

„Es ist nicht nur falsch, daß sich menschliche Aktivität nennenswert auf die Klimaerwärmung auswirkt, die Klimaerwärmung war einmal“, sagte der progressive, pensionierte US-Navy Meteorologe Dr. Martin Hertzberg unter carbon-sense.com, und: Die Durchschnittstemperatur der Erde hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. „Diese Daten zeigen, daß die hysterische Angstmache über eine menschengemachte Klimaerwärmung vollkommen unbegründet ist“. Und der linke Physikprofessor von Ottowa Dr. Denis Rancourt schrieb: „Der Klimaerwärmungs-Mythos dient als roter Hering dazu, die eigentliche Wahrheit (die Schuld an der Finanzkrise) zu verbergen“.

So etwas wie Gürtel-enger-schnallen zwecks Klimaschutzes muß eingeübt sein, und es wurde mit allerlei anderen Geßlerhüten eingeübt. Beim neuen Kondratieff-Zyklus soll dieses Mal eine drastische Verarmung der Bevölkerung den Bankiers den neuen Spielraum eröffnen. „Denn wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“, Sie kennen doch den Spruch?

Heute die Krise

Alle Welt redet von der Krise, einige verspüren sie schon am eigenen Leib. Wer macht solche Krisen? Wer ist an ihnen Schuld? Die Bundeskanzlerin weiß es: Die anderen. In ihrer Neujahrsansprache sagte sie: „Finanzielle Exzesse ohne soziales Verantwortungsbewußtsein, das Verlieren von Maß und Mitte mancher Banker und Manager – wahrlich nicht aller, aber mancher, das hat die Welt in diese Krise geführt. Die Welt hat über ihre Verhältnisse gelebt“. Wer hat da über seine Verhältnisse gelebt, wer gibt das Maß dafür vor? Die Kanzlerin sagt es nicht, aber: „Nur wenn wir diese Ursachen benennen, können wir die Welt aus dieser Krise führen“. Damit hätte sie Recht, nur benennt sie diese Ursachen nicht, statt dessen bekommen „klare Grundsätze“ geboten, das, wie meistens aus Politikermund, nicht ernst gemeinte Blabla wie: „Der Wettbewerb braucht Augenmaß und soziale Verantwortung. Diese Prinzipien müssen weltweit beachtet werden“.

„Finanzaufsicht nach Augenmaß“, davon war schon im Koalitionsvertrag von 2005, die Rede, als man in Deutschland auf Befehl von Oben den „Rheinischen Kapitalismus“ (die „Soziale Marktwirtschaft“) beseitigte und neoliberal „den Kapitalfluß möglichst frei und unkontrolliert fließen lassen“ wollte. Dabei hätte das Beispiel Japan zeigen können, wohin so ein Fluß treibt. Dort hatte man schon Jahrzehnte vorher auf US-Befehl das „Soziale“ aus dem zuvor so erfolgreichen japanischen Weg gestrichen und damit den Niedergang der japanischen Wirtschaft mit Hilfe des Finanz-Kasinos eingeleitet: Die Zahlen auf den Geldkonten schossen in die Höhe, der Lebensstandard von 80% der Bevölkerung wurde abgesenkt, wobei sich konsequenterweise schließlich in den 1990er Jahren sogar die japanischen Verbraucherpreise noch gefallen waren. Doch die Bundesregierung folgte in westlichem Gehorsam den Weisungen und pumpte durch ihre Einkommens- und Steuerpolitik immer mehr Geld aus der angeblich umweltfeindlich produzierenden Wirtschaft in das umweltfreundliche Finanzmarkt-Kasino ab. Sie förderte den Handel mit Verbriefungsprodukten und gründete dafür sogar noch eine eigene Propagandaorganisation, die True Sale International GmbH (TSI) [der Name lautet wirklich „true sale“ und ist kein Witz, eher eine „Verar…“]. Durch die undurchsichtige Verbriefung zweifelhafter „Wertpapiere“, das heißt durch die Organisation des betrügerischen Mehrfachverkaufes der gleichen zweifelhaften „Werte“ in immer neuen Formen ließen sich erstaunliche Renditen versprechen und vorübergehend sogar auswerfen. Ackermann von der nicht mehr sehr Deutschen Bank versprach sich und anderen 25% Rendite. Solche Renditen lassen sich in der Güterproduktion nicht erzielen, sie waren auch nur das Lockmittel, um die angeblich umweltfeindlich produzierende Wirtschaft zu Gunsten der umweltfreundlich spekulierenden finanziell auszutrocknen.

Hinter den finanzpolitischen Machenschaften steckte Professor Axel Webers Whiz-Kid, Jörg Asmussen (SPD). Dieses erwies sich dankbar und verhalf, nach dem es selbst aufgestiegen war seinem Professor auf den Posten eines „Wirtschaftsweisen“ und dann des Bundesbankpräsidenten. Asmussen begann unter Rechtsanwalt Waigel (CDU) seinen Karrierestart im Finanzministerium, Gymnasiallehrer Eichel (SPD) ließ ihn rasch aufsteigen, nur Lafontaine und Heiner Flassbeck bremsten etwas. Doch mit Rot-Grün machten ihn 2003 mit 37 Jahren zum jüngsten Ministerialdirigenten der Republik und Schwarz-Rot zum jüngsten Staatssekretär. In demokratischer Gewaltenteilung sorgte Asmussen im Finanzministerium für Regelungen, kontrollierte ihren Effekt in der (Bundesfinanzaufsicht) BaFin und handelte danach im Aufsichtsrat der Hermes Kreditversicherung, der Deutschen Postbank und der IKB (wo er vor allem in der IKB nach diesen Regeln Milliarden Verluste einfuhr). Er hatte auch die True Sale initiiert, in deren Gesellschafterbeirat er noch sitzt. Mit der Krise endete die Karriere nicht. Jörg Asmussen wurde neben fünf anderen in die Expertengruppe „Neue Finanzmarktarchitektur“ berufen, um Vorschläge für die neue Finanzmarktregelung zu entwerfen. „Angriffe der Opposition gegen Asmussen sind haltlos“, meinte Ministeriumssprecher Torsten Albig, denn „Seine Einschätzung zur Bedeutung von Verbriefungsprodukten entspricht der schon im Koalitionsvertrag niedergelegten Position der Bundesregierung“. Die von ihm propagierten Asset Backed Securities und der möglichst wenig kontrollierte Handel mit diesen war eine der Hauptursachen der Finanzkrise 2008.

Am 20.10.2008 nahm die (zur Schaffung hochdotierte Experten-Arbeitsplätze) neugegründete Finanzmarktstabilisierungsanstalt (FSMA) mit einem Startkapital von 100 Mrd. Euro ihre Arbeit auf. Sie will nicht die deutsche Wirtschaft, sondern nur deren Finanzsektor vor dem herbeispekulierten Zusammenbruch retten. Dafür darf sie Kreditbürgschaften in Höhe von bis zu 400 Mrd. Euro für deutsche Kreditinstitute übernehmen. Für die vorsichtig veranschlagte Ausfallquote von 5% stehen der FSMA 20 Mrd. Euro aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung. Nach dem Finanzmarktstabilisierungsfondsgesetz darf sie den Verspekulierern ferner 80 Mrd. Euro Stammaktien, stimmrechtslose Vorzugsaktien oder Genußscheine abnehmen oder ihnen sogenannte Problempapiere abkaufen. Dies sind im Zusammenhang mit der Kreditkrise faul gewordene Risiko-Positionen („Toxic Waste“ im Analysten-Jargon) wie Zertifikate und durch Forderungen besicherte Geldmarktpapiere (ABCP). Betrieben wird die FSMA von ihrem Lenkungsausschuß aus Vertretern der Ministerien, des Bundeskanzleramtes, der Länder und der Bundesbank. Die Arbeit der FSMA wird bewußt undurchsichtig gehalten. Es gibt zwar einen neunköpfigen Kontrollausschuß, in dem Mitgliedern des Finanzausschusses des Bundestags sitzen, doch wem ist der Rechenschaft schuldig? Der Steuerzahler haftet mit riesigen Summen für die Finanzbranche, erfährt aber nicht, was mit dem Geld geschieht.

Es geht also weiter in Berlin, als hätte man nichts verbockt, und die Kanzlerin predigt: „Gemessen an den Sorgen der Opfer von Kriegen und Gewalt muten unsere Probleme in Deutschland vergleichsweise gering an. Das alles sind gute Gründe für Zuversicht. Das ist der Geist, mit dem Deutschland das Jahr 2009 meistern wird. Meine Devise ist: Wir wollen die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise nicht einfach überstehen. Wir wollen stärker aus ihr herausgehen, als wir hineingekommen sind. Wir haben das zerstörte Deutschland nach dem Krieg aufgebaut“. Das geschah allerdings mit einer gänzlich anderen Finanzpolitik. Doch wer kennt noch Fritz Schäffer mit seinem Juliustrum, den er in diesen „Notzeiten“ angespart hatte und auch konnte? Schließlich mündete die Neujahrsbotschaft von „Fraulein“ Merkel (so hätte man sie zu Schäffers Zeiten wohl genannt) in so nette Sprüche wie: „Wenn Sie sich auch im kommenden Jahr, jeder an seiner Stelle für etwas einsetzt, das für ihn in diesem Land besonders liebens- oder lebenswert ist, dann wird es uns allen noch besser gehen“. Jeder muß nur wollen. Also wollen Sie mal Herr oder Frau Arbeitsloser, Harz-IV-Empfänger, Leiharbeiter, Kurzarbeiter: Kein Job, kein Moos, keine zahlungsfähige Nachfrage, keine Produktion, keine Investition noch weniger Job, noch weniger…

Die Industrieproduktion fällt immer schneller. Der Einkaufsmanager-Index (EMI), eine Umfrage unter etwa 500 Firmen, fiel im Dezember 2008 tiefer als je zuvor seit April 1996, als man vergleichbare Umfragen aus den USA nachzuäffen begann. Aus ihm wird deutlich, daß die Industrie insgesamt, ohne Ausnahme, ihre Produktion um etwa 10 % zurückfährt. Natürlich kann es auch mehr sein, weil Manager aus „psychologischen“ Gründen vorsichtig antworten. Nach anderen Aussagen kämpfen die Firmen mit enormen Überkapazitätsproblemen. (Über)Kapazitäten bemessen sich an der zu erwartenden Zahlungsfähigkeit potentieller Kunden und deren Kunden usw., also der Gesellschaft. Gegenüber 2006 sank der Einzelhandelsumsatz in Deutschland nach amtlichen Angaben um 5% und die Zulassung von Autos um 14%. Was nicht verkauft wurde, liegt auf Halde. Entsprechend rechnet der „Wirtschaftsweise“ Wolfgang Wiegard (Welt online vom 2. Januar) 2009 mit einer deutlichen Verschlechterung am Arbeitsmarkt. Auch hier gibt es offensichtlich „Überkapazitäten“: Keine Gewinnerwartung, keine Investition, kein Job. Wirtschafts-Experten (und was man davon halten soll, zeigen die letzten Jahre) schätzen den Abschwung im laufenden Jahr zwischen zwei und 2,7 Prozent und selbst die alles schönredende Politik rechnet mit 700.000 Arbeitslosen mehr, meinte Wiegard. Die Firma Creditreform rechnet in einer Prognose vom gleichen Tag mit 35.000 Firmenpleiten im Jahr 2009 in Deutschland, also 17 Prozent mehr als 2008. Warum das?

Die bessergestellte Gesellschaft, etwa 20% der oberen Einkommensklassen und einige Cleverle, die es ihnen gleich tun wollten, haben mit ihrem Geld der Rendite wegen im Finanzmarktkasino gespielt und, wie sich nun herausstellt, verspielt. War das verwunderlich? Keineswegs! Es war systemimmanent notwendig. Sogenannte Wirtschafts-Experten hatten in den letzten Jahrzehnten vor lauter Rentabilitätsberechnungen und Computerprogrammen zur Renditesteigerung eine ganz primitive Wahrheit vergessen. Geldgewinne müssen, wenn sie werthaltig sein sollen, „realisiert“ werden. Geld an sich ist wertlos (und in unserem Geldsystem von bevorrechtigten Privatbanken fast in beliebiger Menge zu drucken), es ist ein Berechtigungsschein auf die gesellschaftliche Produktion/Leistung. Erst durch den Geldgewinn angeregte neue Leistungen „realisieren“ diese Gewinne. Ein Schnitzel oder eine Drehbank, die nicht produziert wurden, ist nichts wert. Angeblich kann Geld „arbeiten“, aber es erbringt unter sich, also im Finanzmarkt-Kasino keine Leistung. Denn werden Geldgewinne in „Wertpapiere“ umgesetzt und damit auf den Finanzmärkten „gehandelt“, wird dieses Geld damit schon „wertlos“, das heißt es verschwindet im Wert der Papiere und taucht allenfalls im Preisanstieg der sonst schon vorhandenen Werte auf.

Wenn Unternehmen wegen der rückläufigen Nachfrage gezwungen sind, nur um das Geld für die nächste Rate (der Bankzinsen und Gehälter) zusammenzubringen, die Preise ihrer auf Lager produzierten Waren zu senken, dann wird genau der Effekt des Geldes, das nicht durch Werte, das heißt neue Leistungen gedeckt war, aus dem System genommen. Doch warum fließt das im Finanzkasino spielende Geld nicht auf die Märkte zurück, um dort Leistungen zu veranlassen? Es steckt in „Wertpapieren“ und die sind so viel wert, wie die zahlungsfähigen Nachfragen nach ihnen. Können ihre Inhaber sie nicht verkaufen, löst sich ihr Wert in das auf, was er ist, in Nichts – das ist dann die Finanzkrise. Papiere werden unverkäuflich, wenn ihre „Rendite“ unglaubwürdig wird und schlagen dementsprechend in Verluste um. Diesen Vorgang wollen Rettungsgelder der Regierung aufhalten. Haben ihre Inhaber wie viele Clervele „aussichtsreiche“ Wertpapiere auf Pump gekauft, müssen sie jetzt „Sicherheiten“ nachlegen. Aus Wertpapieren wurden Risikopapiere und auf die leiht niemand. Ihre Inhaber gehen Pleite und erkennen nun endlich, daß der Wert ihrer Finanzschnäppchen sich nur auf deren Papierwert und die Phantasie wirtschaftspsychologisch manipulierter Käufer gründet.

Wenn die Bundesregierung im Gefolge der US-Regierung hier irgend etwas retten will, dann ist es die Illusion, den Glauben an Wertpapiere hinter denen keine Leistungen (in Form von sinnvollen Investitionen oder Gütern mit zahlungsfähiger Nachfrage) stehen. Dafür macht sie Milliarden Euro an potentiellen Steuereinnahmen locker, aber nicht für Investitionen zum Beispiel in neue inner- und außerstädtische Verkehrssysteme, zukunftsfähige witterungsunabhängige Energiesysteme oder in die Existenzvorsorge vieler Bürger, die sich mehr oder weniger notgedrungen haben überreden lassen, ihre Altersvorsorge durch den Kauf von Finanzschnäppchen statt der Gestaltung der Verbrauchsgüterproduktion auf neuestem technischen Niveau zu sichern.

Die Krise war systemnotwendig. Ihr eigentlicher Grund liegt, wie schon öfters hier ausgeführt, im Geldsystem, an dem kein „Anerkannter“ rühren darf, ohne sein „Anerkanntsein“ zu verspielen. Sie sollten sich damit näher befassen ebenso wie mit dem angeblichen Klimaschutz. Denn beides sind nur Mittel, Sie zu erst in die Armut zu treiben und dann als unverwertbar aus dem Verkehr zu ziehen.