Der vorherrschende Antisinn

Fehlende Perspektive und unbeantwortete Sinnfragen können töten, vor allem wenn Phantasie und Vorstellungsvermögen des Nachwuchses von den Kaufleuten der Brutalität mit Bildern und Vorstellungen von Horror- und Greuelszenen aller Art bis zum Erbrechen angefüllt werden. Aber Geschäft ist Geschäft und im Westen heilig. Daß offengebliebene Sinnfragen töten können (wenn auch nicht in jedem Fall – ihr Herren Psychologen und Geschäfteverteidiger) haben nicht nur Menschen beim Amoklauf in Winnenden erfahren, sondern auch US-Militärs: „Im Januar haben wir mehr Soldaten aufgrund von Selbstmorden verloren, als an Al Quaida“, klagte Paul Rieckhoff, Direktor der Veterans of America der Nachrichtenagentur Associated Press. Zu den Gründen, welche die Soldaten in den Selbstmord treiben, befragt meinte US-Army-Sprecher für Personalfragen, Oberstleutnant Mike Moose: „Wir wissen es nicht und haben auch kein besonderes Problem feststellen können“. Aber man sei sich der Dringlichkeit von Maßnahmen bewußt. Die Army plane ein Programm zur „Selbstmord-Präventation“ für alle Soldaten. Zudem seien, ähnlich wie nach Winnenden, die Einstellung von zusätzlichen Psychiatern und anderen Fachkräften, sowie Programme für zu Hause und an der Front geplant: das heißt wie immer nur, noch gezieltere Manipulation. Ob die etwas ändert? oder nur das im Westen allgemein grassierende „induzierte Irresein“ verstärkt werden soll?

Prof. Michel Chossudovsky hat auf der Web-Seite „global research“ bemerkt, daß die USA das Kampfteam der 1. Infantriebrigade der 3. Armee seit einigen Monaten aus dem Irak zurück beordert hat. Er fand das extrem beunruhigend, weil diese Einheit „nach offiziellen Berichten vielleicht herangezogen werden soll, um bei der Niederschlagung ziviler Massenunruhen zu helfen“. Welches Szenario könnte so etwas rechtfertigen, wo das altehrwürdige „Posse-Comitatus“-Gesetz von 1878 den innenpolitischen Einsatz regulärer US-Truppen strikt und eindeutig verbietet? Chossudovsky vermutet: „Zivile Unruhen aufgrund der finanziellen Abschmelze sind bei den weitreichenden Auswirkungen des Finanzkollaps auf die lebenslangen Ersparnisse, die Rentenkassen, den Hausbesitz, etc. eine naheliegende Möglichkeit“.

Wenig später veröffentlichte das Zentrum für Globalisierungsforschung auf seiner Webseite einen Artikel von Wayne Madsen. Darin bezieht er sich auf einen Bericht mit der Kurzbezeichnung „C & R Document“, der mit höchster Geheimhaltungsstufe unter führenden Mitgliedern des US-Senats und ihren Spitzenberatern umgeht. Er meint „C“ stünde hier für Conflict und „R“ für Revolution, denn beides hielten US-Politiker angesichts der Finanzkrise für höchst wahrscheinlich. Herr Madsen schreibt, im Dokument werde behauptet, daß das ernstzunehmende Finanzchaos einen größeren Krieg auslösen werde, wenn sich Washington weigere, seine Auslandsschulden zu bedienen, und/oder zu massiven Aufständen vielen in US Städten führen werde, wenn die US-Bevölkerung beträchtliche Steuererhöhungen nicht akzeptiere. Auch Amerika selbst, so scheine es, sei nicht gegen eine „regimebedrohende Instabilität“ gefeit, wie das Pentagons und die 36 aktiven US-Geheimdienste im Dienst der Finanzclique sich in dem Papier ausdrückten. Der US-Regierung sei dieses „worstcase-scenario“ nicht entgangen, und es scheine, als würde sie sich darauf einstellen. Sind das nun „linke“ Wunschträume oder ernst zu nehmende Tatsachen?

Es gibt in dieser Sache noch ein weiteres, weniger eindeutig formuliertes, dafür aber „offizielles“ Papier. Es wurde von einem Nathan P. Freier verfaßt und schon im November 2008 vom Institut für Strategische Studien der US-Armee (US Army Strategic Studies Institute) unter dem Titel Known Unknowns: Unconventional „Strategic Shocks“ in Defense Strategy Development (Bekannte Unbekannte: Unkonventionelle „Strategische Schocks“ in der Entwicklung der Verteidigungsstrategie) herausgegeben (Quelle). Danach sollte sich die US-Armee auf „unkonventionelle strategische Schocks“ vorbereiten. Im Zuge dessen müßten sich die Streitkräfte auf „gewalttätige Unruhen strategischen Ausmaßes in den Vereinigten Staaten“ vorbereiten, die der „unvorhergesehene wirtschaftliche Einbruch“ und der „entschlossenen Widerstand der Bevölkerung im Inland“ auslösen könnten. Die bisherige Verteidigungsstrategie weise diesbezüglich drei Fehler auf: 1. sie sei im Allgemeinen reaktiv gewesen, sie habe es 2. an strategischer Vorstellungskraft fehlen lassen und sie sei daher 3. anfällig für Überraschungen gewesen.

Die letzte Regierung Bush erlebte in ihren ersten acht Monaten einen „Strategischen Schock“ (9/11), der das „ganze Spiel umwarf“. Das nächste Team wäre gut beraten zu Beginn ihrer Amtszeit einen ähnlichen „unkonventionellen, nicht militärischen Schock für das Verteidigungsministerium (DoD) zu erwarten. „Es wäre klug, darunter auch katastrophale Unruhen innerhalb der Vereinigten Staaten, zivilen Ungehorsam im Inneren oder entsprechende Gewalttaten dieser Art zu berücksichtigen“. Diese Unruhen könnten „ein Ausmaß annehmen, daß das Verteidigungsministerium gezwungen sei, die eigene Rolle im Hinblick auf die inneren Sicherheit und das In-Schach-Halten (control) der Bevölkerung neu zu bestimmen“. Was geht das nach dem „Posse-Comitatus-Act“ das DoD an? Was gehen der Macht Gesetze an (vgl. Grundgesetz und „unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen“)?

Im Sommer 2001, zu Beginn der im Bericht angesprochenen Amtszeit der letzten Regierung hatte die russische Ökonomin Tatyana Koryagina mehrmals davor gewarnt, daß der Dollar und die US-Wirtschaft in den folgenden Monaten kollabieren würden. Das geschah, möglicherweise wegen des Raubüberfalls auf Afghanistan (der nicht den Taliban galt, sondern der Ableitung des Kaspischen Öls) und des gleichermaßen räuberischen Überfalls auf den Irak, erst acht Jahre später. Nun, zu Beginn der neuen US-Regierung, warnt Professor Igor Panarin, früher Analytiker des KGB und Experte für Informationskriegsführung heute ranghoher Mitarbeiter im russischen Außenministerium, vor einem für die USA katastrophalen Bürgerkrieg, in dem die USA schon im Juni 2010 – so genau glaubt Panarin das zu wissen – in sechs Teilstaaten auseinanderbrechen würden. Allerdings sprich Panarin davon schon seit über zehn Jahren, ohne daß es dafür irgendwelche Anzeichen gab. Hat sich das mit der Krise geändert? Oder soll es nur, wie die ewigen Verfechter des USA-Ideals und seiner Weltsendung gerne möchten, den Hinweis liefern, daß Finanzkrise und mögliche Unruhen in ihrem Gefolge vom schurkischen Ausland von langer Hand vorbereitet worden sind?

Von langer Hand vorbereitet wird aber auch genau das, was Nathan P. Freier in seinem oben erwähnten Bericht den US-Strategen als Unterlassungssünde vorwirft. So findet sich dazu einiges in dem Buch des Gründers des „Club of Rome“ und Mitglieds des „Committee of the 300“, des 1984 verstorbenen Aurelio Peccei. Das Buch erschien 1969 unter dem Titel „The Chasm Ahead” („Vor dem Abgrund“, Macmillan, New York, ISBN 9780025953604) und faßt die Erörterungen eines Treffens zusammen, zu dem das Wissenschafts- und Technologie-Komitee der North Atlantic Assembly und das Forschungsinstituts für Außenpolitik (Foreign Policy Research Institute in Pennsylvania) eingeladen hatten. Es fand im Mai 1967unter dem Titel „Konferenz über Transatlantische Technologische Unausgewogenheit und Zusammenarbeit“ in Queen Elizabeths Privatschloß in Deauville, in Frankreich statt.

Hauptzweck der Konferenz von Deauville war die Durchsetzung der technologischen und industriellen Nullwachstums-Politik, wie sie vom danach gegründeten Club of Rome und der rot-grünen Bewegung eingeführt wurde. Die Ergebnisse der Konferenz schlugen sich in zwei Büchern nieder. Das eine war das Buch „Technotronic Era“ von Z. Brzezinski (US-Präsident Carters Sicherheitsrats-Berater und Gründungs-Direktor von David Rockefellers Trilateraler Kommission), das andere war das erwähnte Buch Pecceis, des Vorsitzenden dieser Konferenz. Peccei schrieb mit anderen Worten weitgehend das Gleiche wie Brzezinski, fügte aber neuen Punkt hinzu, daß die Welt künftig in Chaos versinken werde, wenn sie nicht von einer „Eine-Welt-Regierung“ beherrscht würde. Er ließ sich dort ausführlich über Pläne des Komitees der 300 aus, wie der einfache Mann („the common man“), den er als den Feind (the enemy) bezeichnete, zu zähmen sei. Dort zitiert Peccei zustimmend einen Ausspruch des polnischen Aristokraten Felix Dzerzinski, der als erster Chef des bolschewistischen Terrors für die Ermordung von Millionen Russen verantwortlich war und der seinem britischen Führungsoffizier, Sydney Reilly, einmal gesagt haben soll:

„Warum sollte es mich kümmern, wie viele Menschen dabei umkommen? Sogar die Christen Bibel sagt: Was ist schon der Mensch, daß Gott seiner gedenkt? Für mich sind Menschen nichts weiter als Gehirn auf der einen und eine Kotfabriken auf der anderen Seite“.

Eleonora Barbieri Masini zitierte bei der Feier zum zwanzigsten Todestag Pecceis am 23. November 2004 in Rom einen anderen Ausspruch des Meisters: „Es ist nicht unmöglich eine Revolution der Menschen voranzubringen, die in der Lage ist, den gegenwärtigen Lauf der Dinge zu verändern“. Diese Revolution ist längst im Gange. Ihr gehorcht „das Chaos“, das mit der gegenwärtigen Finanzkrise angerichtet wird, und aus dem der „Novus Ordo Seclorum“ (der von Franklin D Roosevelt in der Form eingeführten Ein Dollarnote) hervorgehen soll. Zur Steuerung des angerichteten Chaos dienen die geplanten, militärischen Vorbereitungen. Die Revolution der Finanzelite ist genau das, was das Bundesumweltministerium unter anderem in seiner schon letzte Woche erwähnten Broschüre vom September 2008 als „Die dritte Industrielle Revolution – Aufbruch in ein ökologisches Jahrhundert“ mit der „Klimakatastrophe“ als vorläufig lautester Rechtfertigung und mit dem Hauptziel: „Gürtel enger schnallen für die Finanzelite!“ anstrebt (Quelle).

Am 10. März forderte der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew anläßlich des Besuchs von Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell in Astana eine einheitliche Weltwährung. Die Idee stammte vom westlichen Elite-Mann Mundell, der bei der gleichen Gelegenheit sagte: „Die Entstehung einer globalen Währung ist möglich, insbesondere hinsichtlich der erheblichen Dollar- und Euro-Kursschwankungen. Diese Währungen sollten untereinander ins Gleichgewicht gebracht werden“. Er fuhr fort „Wenn man mich aber fragt, ob diese neue Währung innerhalb der nächsten fünf Jahre entstehen kann, würde ich sagen, daß die Wahrscheinlichkeit dafür eher gering ist und bei etwa 30 Prozent liegt“. Ob beide das Gleiche meinen, ist fraglich. Nasarbajew hatte sich mit der Formel „absolut neues globales Devisensystem“ vielleicht für etwas ausgesprochen, was zur Zeit in der Shanghai Cooperation Organisation als Dollar freies Verrechnungssystem diskutiert wird.

Er hatte im Gegensatz zu Mundell möglicherweise einen ähnlich radikalen Schnitt vor Augen, wie ihn 1788 vor Christus, Rim-Sin, König von Larsa im Zweistromland vollzogen hatte. Der befreite die gesamte produzierende Wirtschaft seines Landes von ihren Schulden und trieb dadurch die Geldverleiher (Bankiers) in den Bankrott. Danach ging es der Wirtschaft und den Menschen in Larsa wieder bestens. Es gelang dem Sohn des amurritischen Heerführers Kudur-Mabuk, sein Reich lange Zeit gegen die Koalition der altorientalischen Finanzimperien Babylon, Isin und Uruk zu behaupten. Er ließ im großen Stil Kanäle anlegen, um neues fruchtbares Ackerland zu gewinnen und die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Schließlich gelang es 1763 v. Chr. (die Jahreszahlen sind umstritten) dem Finanzzentrum Babylon unter König Hammurapi Larsa zu erobern, Rim-Sin in Jamutbal im Elam gefangen zu setzen und das alte Kredit- und Verschuldungsgeldwesen, das uns seitdem bis heute fest im Griff hat und demnächst die Welt einheitlich in die Zange nehmen will, dort und anderswo wieder einzuführen. Babylon wurde zwar später von den Persern erobert, doch diese handelten damals schon als „Degen“ der Finanzhäuser Babylons, als diese sich von der eigenen Stadtbevölkerung bedroht fühlten. Auch unser eigentlicher, der Uraltadel, führt sich nicht, wie oft angenommen wird, auf germanische Häuptlings- oder antik-römische Adelsfamilien sondern – man glaubt es kaum – auf den persischen Adel zurück. Einer von denen, Karl Schwarzenberg: Adler und Drache. Der Weltherrschaftsgedanke. München: Herold; o.J. (um 1958), muß es ja wissen.

Auf ein Neues!

„Neues Spiel, neues Glück. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, auch keinen Teddy mit nach Hause nimmt“. Kennen Sie diese Schießbuden-Sprüche noch? Neujahr scheint eine dafür passende Spielunterbrechung zu sein: Viele Menschen überdenken ihre Einsätze und ihre Hoffnungen, bevor die Kugel wieder rollt und das „Nichts geht mehr!“ sie überrollt. Ist ein Neuanfang möglich oder der Weg bereits abgesteckt? Beides, je nach dem, was man tut.

Herrscher herrschen nicht, wenn die Beherrschten sie nicht herrschen lassen. Dazu müssen die Herrscher die Beherrschten überzeugen. Die besten Argumente wären natürlich geordnete Verhältnisse, in denen alle Menschen sich erfolgreich um das Gedeihen und den Fortbestand ihrer Familien und ihres Wohlbefindens auf Dauer kümmern könnten. Soweit wir die Geschichte überblicken, waren solche Verhältnisse selten, daher waren die Herrscher im Zugzwang, Gründe für ihr Versagen zu finden und Vorschläge, wie sie diese überwinden wollen, damit die Beherrschten sich mit ihren Maßnahmen abfinden.

Vor rund 5.000 Jahren fand Lugazaghisi, ein Herrscher im Zweistromland, eine plausible Erklärung. Die Welt unter seiner Führung wäre in Ordnung, wenn es nicht ringsherum Chaos-Völker gäbe. Solange diese nicht zur Ordnung geführt, das heißt unterworfen und dem eigenen Reich eingegliedert sind, wird die Unordnung leider fortbestehen. Er scheint diese Herrschafts-Idee damals neu erfunden zu haben. Sie brachte ihm göttliche Verehrung ein. Trotz Demokratie blieb seine Idee bis heute aktuell, nur spricht man jetzt von Terror- oder Schurkenstaaten. Man braucht einigen Gruppen nur den Brotkorb hoch genug zu hängen und ihnen von anderen unbemerkt auf die Zehen zu treten und schon hat man Schurken, die alles rechtfertigen. Die Vertreibung der Palästinenser aus ihrem Land, deren vorhersehbare Reaktionen und die heuchlerisch impotenten Friedensforderungen der westlichen Regierungen dauern nun schon 60 Jahre mit weltweit durchschlagendem, gesellschaftspolitischem, regierungsnützlichem Erfolg.

Demokratie war einmal anders gedacht. Erwachsene sollten sich ihre „Führer“ wählen und sie bei Mißerfolgen austauschen. Ihre Aufgabe ist, dafür zu sorgen, so glaubt man, daß das Wechselspiel zwischen den Menschen fair gespielt wird und niemand dabei unter die Räder kommt – so die versprochene Freiheit. Doch woher oberhalb der Dorfebene eine brauchbare Alternativen nehmen. Regierungen werden dem Wähler geboten. Die meisten wählen das, was angeboten wird. Gebieter sorgen für das Angebot. Sie halten sich hinter dem politischen Spektakel, das dem Wahlvolk von ausgewählten Stellvertretern vorgeführt wird, bedeckt, erfreuen sich einer Existenz in überirdischer Abgeschiedenheit, wo sie die Weichen stellen lassen, für die ihre Stellvertreter auf Erden Lob oder Prügel einstecken. Das System ist allgemein bekannt: „Geld regiert die Welt“. Das glaubt jeder zu wissen, und kaum einer stößt sich daran, erst an den Ergebnissen der Regierung, die das Geld regiert.

Als die Finanz-Manipulateure beschlossen den Lebensstandard der Massen wieder zu drosseln, lenkten sie den Geldflusses von der produzierenden Wirtschaft auf die Finanzmärkte. Weil dort das Geld so erfolgreich „arbeitete“, wollten die meisten nicht begreifen, daß es, sobald es dort angelangt war, bereits entwertet war. Der Mensch, den man oben aus dem Hochhaus stieß, schien noch quicklebendig zu sein, bis er unten ankam. Nun wollte man die heiße Luft des Scheingeldes etwas ablassen, um das Spiel in kleinerem Kreis neu zu beginnen: Neues Spiel, Neues Glück! Um einige ihrer brauchbaren Finanz-Experten vor den Folgen zu behalten, beauftragten die Großeigentümer den Staat, dafür zu sorgen, daß sie nicht zur Verantwortung gezogen werden. Die Regierung zog rasch Rettungsschirme auf. Aber sie rettet nicht vor der Krise, nur vor der Verantwortung. Denn die Krise hatte sie im Einklang mit der Finanziers-Elite selbst mit zwei Arten von Vorarbeiten eingeleitet: zunächst mit der Deregulierung der Arbeitsverhältnisse, und dann mit der Deregulierung der Finanzwirtschaft, die ebenfalls per Gesetze verhängt wurde. Es war die rot-grüne Koalition, die Gesetze für befristete Leiharbeitsverhältnisse, „prekäre“ Beschäftigungen, die Lockerung des Kündigungsschutzes, die Einschränkungen der Flächentarifverträge erlassen und dadurch die Arbeitsverhältnisse unter dem Stichwort „Reformen“ sozial entsichert hat. Dazu hat sie die solidarischen, umlagefinanzierten Sicherungssysteme systematisch deformiert, durch institutionelle Regelungen abgeschmolzen, die vorhandenen Mittel „anderweitig“ verwendet (was logischer Weise den sogenannten Ausländerhaß anfeuerte) und so den angemessenen Lebensstandard der „breiten Masse“ zielgerecht abgesenkt.

Um Zirkulationsmittel aus der Güter schaffenden Wirtschaft heraus in die Finanzblase zu überführen, also um die Finanzwirtschaft liquide zu halten, förderte und forderte man private kapitalgedeckte Formen der Vorsorge. Die dementsprechende, asymmetrische Steuerpolitik hat die Schere der Verteilung von Gewinn- und Lohn-Einkommen und die Vermögens-Umverteilung zunehmend gespreizt. Die gesellschaftlich spürbaren Folgen erklären sich als „individuelles Versagen“. Um den Geldkreislauf entsprechend zu entregeln, bedurfte es einer breiter angelegten „Wählerzustimmung“. Dies war das Geschäft der rot-schwarzen Koalition. Sie „lockerte“ den Börsenhandel, ließ den Derivatehandel zu und befreite die Bankgewinne aus dem Handel mit Industriebeteiligungen von Steuern. Hedgefonds wurden als Dachfonds zugelassen und die Verbriefung von Krediten steuerlich begünstigt. Die große Koalition propagierte und förderte innovative Finanzdienste, das heißt, das Absaugen von Umlaufmitteln aus der produzierenden Wirtschaft in eine, in der sich Geld scheinbar von selbst vermehrt. Die entsprechenden Vertriebswege und Kapitalbeteiligungs-Gesellschaften wurden steuerlich privilegiert. Dem widersprachen Großverbände wie Gewerkschaften und Kirchen kaum, weil man ihnen dies als Weg zur wirtschaftlichen Gesundung versprach.

So gelang es, das nachhinkende Deutschland ordentlich an die internationale Finanzblase anzuschließen. Als dies zur Zufriedenheit der Olympischen Götter im Dollarhimmel geschehen war, entschied man, nun die etwas heiße Luft aus der Finanzblase abzulassen. Die deutsche Regierung reagierte sofort und bot den bei der Triage fallengelassenen „Finanzeliten“ Hilfe auf Kosten der Steuerzahler an. Zur Rechtfertigung inszenierte sie das Dampfablassen der Blasenökonomen als dramatische Krise, jagte den Leuten ordentlich Angst ein, um sich ihre Unterstützung durch hoffnungsweckende Andeutungen zu sichern. Dazu dienten so dumme Hinweise wie die des Finanzministers, man müsse zuerst die Unfallstelle aufräumen, bevor man diejenigen zur Rede stellt, die den Schaden verursacht hätten, oder man müsse unverzüglich das Feuer löschen, auch wenn es sich um Brandstiftung gehandelt habe. Aber mußte man unbedingt die „Brandstifter ans Lenkrad des Löschzugs“ setzen oder, genauer gesagt, an seiner Fernsteuerung belassen? Sie schnüren nun in den Hinterzimmern der Regierung das Rettungspaket, das dem Parlament und der Öffentlichkeit übereilt zur Akzeptanz angeboten wird. Denn Brandstifter, Krisenursache, Krisenausmaß und Krisenfolgen blieben in dem Dunkeln, in dem sich seit eh und je gut munkeln ließ. Denn Geld regiert die Welt, d.h. diejenigen, die das neue Geld in Umlauf bringen dürfen, und das darf bekanntlich weder die Regierung noch Sie und ich.

Im Neuen Jahr haben wir Neuwahlen, kennen Sie Alternativen. Welches Neue werden Sie wählen? Wer soll das Geld in die Hand nehmen, das die Welt regiert? Vielleicht der neue Repräsentant der westlichen Führungsmacht? Eben hat er Admiral Dennis Blair für den Posten des Nationalen Geheimdienst-Direktors nominiert. Das ist der dritte Vier-Sterne-General in seinem künftigen Kabinett, nach James Jones als Nationalem Sicherheitsberater und dem ehemaligen Generalstabschef der Armee, Erik Shinseki, als Staatssekretär für Veteranen-Angelegenheiten. Auch heißt es, er würde den pensionierten General Michael Hayden als CIA-Direktor behalten, wie Bushs Verteidigungsminister Robert Gates. Die Washington Post nannte das am Samstag 20. Dezember „einen ungewöhnlichen Trend für eine demokratische Regierung, der beide politischen Lager überrascht hat“. Die Überraschung wird zur Befürchtung, weil Obama Anfang Dezember verlauten ließ: „Um den Wohlstand zu Hause und Frieden in der Welt sicherzustellen, teilen wir die Überzeugung, daß wir auch in Zukunft die stärkste Militärmaschine der Welt haben müssen“. Bei der Gelegenheit versprach er den Militärs, die amerikanische Armee um 100.000 Mann aufzustocken, und den Verteidigungshaushalt von jährlich 850 Mrd. Dollar nicht nennenswert zu kürzen.

Dementsprechend hatte das US Army War College bereits am 4. November eine Studie „Known Unknowns: Unconventional Strategic Shocks in Defense Strategy Development“ (Bekannte Unwägbarkeiten, ungewöhnliche strategische Schocks in der Entwicklung der Verteidigungsstrategie) veröffentlicht. Sie sieht nicht weniger vor, als die Umgruppierung der US-Army, um den „unforeseen economic collapse“ (den nicht vorher gesehenen Wirtschaftskollaps) und die „rapid dissolution of public order in all or significant parts of the US“ (die rapide Auflösung der öffentlichen Ordnung in der gesamten oder bedeutenden Teilen der USA) zu handhaben. Den Bericht schrieb ein Professor Nathan Freier, nach dem Vorwort von Oberst John A. Kardos, dem Direktor des Peacekeeping and Stability Operations Institutes. Als mögliche Krisenauslöser nennt Freier neben Terrorismus auch die Möglichkeit, daß sich China und Rußland „politisch und wirtschaftlich“ gegen den Westen verbünden könnten. Als Folge dessen müßte sich das Defense Establishment im Inneren auf „Bürgerkriegszustände“ ein- und seine Prioritäten entsprechend um-stellen. Die Bundeswehr im Inneneinsatz, das war nur Befehl von oben, nicht wahr, Herr Schäuble? (Quelle)

Worum es letztlich geht, verdeutlicht eine Broschüre ausgerechnet des Bundesumweltministeriums: „Die Dritte Industrielle Revolution, Aufbruch in ein ökologisches Jahrhundert, Kommentare zum wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Umbau der Industriegesellschaften“ vom September 2008. Darin heißt es auf Seite 78: „Die Herausforderung besteht darin, die Große Transformation bereits jetzt mit aller Kraft in Gang zu setzen, zu einem Zeitpunkt, der nach „Revolutionsgesetzen“ viel zu früh erscheint. Im Unterschied zur Ersten und zur Zweiten Industriellen Revolution ist deshalb ein politischer Rahmen zu schaffen, der die Gesetzlichkeiten großer Transformationsprozesse gewissermaßen künstlich erzeugt. Technisch gesprochen, benötigen wir eine Art Fortschrittskatalysator, einen gesellschaftlichen Beschleuniger des Transformationsprozesses“. Auch das auf Befehl von oben?

Die genannte erste und zweite Industrielle Revolution hatte Voraussetzungen für den Wohlstand der breiten Bevölkerung geschaffen. Die Dritte dient dem finanztechnisch eingeleiteten Abbau („Umbau“) des Wohlstands durch eine enteffizierende, sogenannte Umwelttechnologie. Das geschieht im Rahmen von Kriegen hart an der Schwelle des Weltbrandes, von Seuchen aufgrund der chronisch inszenierten Unterernährung riesiger Bevölkerungsgruppen, einer manipulativen Gesundheitspolitik fern des erreichten Standes naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und einer entmoralisierenden Kulturpolitik.

Neues Spiel wäre schon nötig für das alt ersehnte Glück, nur müßte man es in Gang setzen können.