Und keiner ging

Seit die erste menschliche Horde am Strand zwischen Wald und Wellen auf der Suche nach Eßbarem dahinzog, geben die Herren der Angst den Ton an. Sie sagen, wo es lang geht, wer etwas bekommt und wer nicht, wer mitlaufen darf und wer wegbleiben muß. Am Anfang waren die Sachwalter der Angst Leute, die mit den realen Ursachen der Angst umgehen konnten, wilde Tiere oder gierige Mitbewerber vertreiben oder erlegen, und die am ehesten wußten, wo etwas Eßbares zu finden oder anzubauen war. Später konnten die Erfinder von Ängsten den anderen mit Erfolg „mir nach!“ befehlen. Anderen ihr Schicksal beschneiden zu können, scheint für manche der Kick schlechthin des Lebens zu sein.

Im Sommer 1934 erschreckte Churchill im Parlament die Engländer mit Prophezeiungen, die deutsche Luftwaffe werde bei Giftgas-Angriffen auf London in kürzester Zeit 30.000 Menschen töten. Damals gab es noch keine Luftwaffe, allenfalls Pläne dafür. Churchills Leute taten alles, damit diese auch realisiert wurden. Das scheint widersprüchlich zu sein, aber nur für Dünnbrettbohrer. Allerdings fielen hernach auch Bomben. US-Präsident Roosevelt schreckte seine Landsleute mit geheimen Invasionsplänen der „Nazis“, schon militärtechnisch eine Unmöglichkeit. „Geheime deutsche Flugplätze seien in Kolumbien entdeckt worden, von denen jederzeit der Panamakanal angegriffen werden könne“ und dergleichen mehr, behauptete er im Radio. Dann wurden solche Militärflugplätze in ganz Lateinamerika gebaut – US-amerikanische. Später reichte man eine Weltkarte der Nazis herum, in die die Hitlers Welteroberungspläne darstellten sollte. Roosevelt versteckte sein Problem, neun Millionen Arbeitslose, in Khaki-Uniformen seiner auf 11,5 Mio. aufgeblähten Army. Die Zustimmung der Nachbarn seines Büros in der Wall Street Nr. 120 hatte er. Aber die US-Bürger hatten kein Interesse, wieder am europäischen Krieg beteiligt zu werden. Sie hatten als Investoren mit dem ersten Weltkrieg bei anfänglich hohen Bankgewinnen netto über 20 Mrd. Dollar – damals eine gewaltige Summe – in den Sand gesetzt. Erst Pearl Harbor brachte die gewünschte Begeisterung und half den USA, die westliche Hemisphäre bis an die Grenzen des Ostblocks zu übernehmen. Übernahm die USA, oder wer?

Jetzt gehen allenthalben terroristische Bomben hoch, die Medien sind voll davon, und die „Anerkannten“ verurteilen die Anschläge, wobei sie sich gegenseitig in den Formulierungen überbietenden. Haben sie nicht Recht, sind solche unsinnigen Bomben nicht schrecklich? Sie sind es! Aber wer hatte die Bombenleger-Patsies eingewiesen, wer hat Bedingungen geschaffen, unter denen sich Patsies in großer Zahl anwerben lassen? Das interessiert nicht wirklich, und so gibt es dafür die schnellen Antworten: „Niemand natürlich!“, oder wie immer „der Markt“, oder „der religiöse Wahn“ oder die unstillbare „Gier“ – auf alles, nur nicht die Gier auf Herrschaft. Denn die könnte es gewesen sein. Die meisten, die in der Regel von sich auf andere schließen, setzen vor allem auf die Gier nach Geld. Aber haben Leute mit Milliarden Einkommen wirklich Gier nach Geld? Was ist schon Geld? Sie wollen Macht, mehr Macht, absolute Macht für sich und für ihre Herren und Meister.

Haben Sie sich gefragt, warum plötzlich alle „Anerkannten“ der Welt von der „schlimmsten Krise seit dem 19. Jahrhundert“ sprechen und die wirtschaftliche Zukunft in den düstersten Farben malen? Etwa, weil sie unerwartet eingeschlagen hat? Früher hatten sie alle, die detailliert aus den Praktiken an den Internationalen Finanzmärkten die Entwicklung, die jetzt eingetreten ist, abgeleitet hatten, (das waren einige, deren Namen Sie kaum erfuhren), als Spinner und Untergangsapostel hingestellt. Am lautesten haben damals die geschrieen, die die gesetzlichen Voraussetzungen für die Krisenentwicklung geschaffen haben und bei den gewaltigen Luft-Geschäften für sich und ihre Herren enorm gewonnen haben, und sie tun es heute wieder. Jetzt sollen sie im Kabinett Obama den Ausweg aus der Krise weisen – allen voran das W(h)iz-Kid Tim Geithern (1961), der 1988 frisch von der Uni weg bei Henry Kissinger Associates angefangen hatte und für diesen in vielen führenden Gremien saß, vorwiegend im US-Schatzamt, beim Internationalen Währungsfond, beim Council of Foreign Relations in der Abteilung „Chinesische und Japanische Angelegenheiten“, und dann noch als 9. Chef der Federal Reserve Bank New York, dem zentralen Schalthebel der internationalen Hochfinanz. Er versteht zweifellos sein Geschäft, Sie können ihm vertrauen so wie denen, deren Lied Sie singen oder wenigstens nachstammeln.

Die angebliche „systemische Finanzkrise“ steht offensichtlich im Zusammenhang mit dem geplanten globalen Trend. „Global Trends 2025“ war die kürzlich in Washington vom National Intelligence Council (NIC) unter Mitarbeit von 16 US-Geheimdiensten vorgelegte „Studie“ überschrieben, über die am 22. November in der Frankfurter Rundschau zu lesen, war. Sie kündigt einen relativen Machtverlust der USA an. „Wir sehen eine multipolare Welt“, sagte NIC-Direktor Thomas Fingar, „der unipolare Moment ist vorbei oder wird zweifellos 2025 vorbei sein“. Als künftige Mitbewerber um die Spitzenposition wird China erwartet, gefolgt von Rußland, Indien und Brasilien – also die sogenannten BRIC-Länder, die seit dem Überfall auf Afghanistan und den Irak immer enger zusammenarbeiten und unter der Hand daran arbeiten, sich vom Dollar zu lösen. Den islamischen Terroristen á la Bin Laden räumt die „Studie“ dagegen keine Zukunft ein. Sie warnt, wie könnte es anders sein, vor der iranischen Atombombe, die zu einem Wettrüsten im Nahen Osten führen würde. Die größte Krisenentwicklung erkennt sie dagegen in Afrika: Dort haben blutige, hochgerüstete Terroristenchefs wie Laurent Nkunda den Auftrag, die Entwicklungsarbeit Chinas (neun Mrd. US-Dollar Investitionen gegen Rohstoffe allein im Kongo) zurückzudrängen. Neben den knapper werdenden Energieträgern sollten, nach Meinung des NIC, Verteilungskämpfe vor allem um Lebensmittel und Wasser ausbrechen.

Vom Klima war in dem Papier des NIC nicht mehr die Rede, wenn man nicht die Ansicht, daß künftig keine neuen Energiequellen aufgetan werden, als eine der Folgen der Klimahysterie werten will. Daß die Klimaängste, neben Wirtschafts- und Kriegsängsten trotzdem noch zum „Trend“ gehören, macht nicht nur deren alltägliche Propaganda deutlich, sondern auch die Hysterie, mit der die „Anerkannten“ auf Dissidenten – ähnlich wie auf die Vorhersagen der Wirtschaftskrise noch vor wenigen Jahren – reagieren. Ein Beispiel dafür lieferte wieder einmal der WDR in seiner TV Sendung „Dellings Woche“ vom 26. November. Drei Ökofundamentalisten mit Moderator fielen über den sonst in Worten radikalen, in der Sache eher zurückhaltenden Klimaskeptiker Wolfgang Thüne her, schnitten ihm das Wort ab, beschimpften ihn, zeterten, weil er die Meinung vertrat, das Klima lasse sich noch weniger vorhersagen als das Wetter der nächsten Woche. Frau Höhn verstieg sich sogar zu der Lüge, 99,9 Prozent der Wissenschaftler stimmten mit der Klimahysterie überein. Und als die Hysteriker aus dem Gekeife den Schluß zogen, daß offensichtlich mehr Umerziehung der Bevölkerung nötig sei, gab es als Ersatz-Gebet sogar Beifall im Publikum.

Der Geologie-Professor Ian Plimer (62), hat, neben vielen anderen, die Ähnliches sagten, in seinem Vortrag am 24.11. im American Club in Sydney überzeugend nachgewiesen, daß sich, anders als in undurchsichtigen Klimamodellen, in der gesamten Klimageschichte keine Übereinstimmung zwischen Kohlendioxid und Klimaentwicklung erkennen läßt. Er kam dabei zu dem Schluß, die grünen „Städter haben die Beziehung zur Natur verloren“ und aus dem Klimawandel eine „fundamentalistische Religion“ gemacht, der man mit sachlichen Argumenten kaum mehr beikommt, „weil abweichende Stimmen von den Gläubigen in der Wissenschaftlerschaft niedergebrüllt“ würden. Um das zu erreichen, benötigen die Gläubigen aber eine starke (Geld)-Macht im Rücken.

Warum das? Als sich der Zusammenbruch des Ostblocks für Geheimdienstkreise 1979 bereits abzeichnete, gründete man den nationalen Intelligence Council als Planungsstab. Er sollte für die langfristigen strategischen Entscheidungen der Machtelite alle fünf Jahre einen Trendbericht über die dafür relevanten Entwicklungen der nächsten 15 Jahre liefern. Er hat als strategischen Hauptfeind des Machterhalts China und die BRIC-Gruppe ausgemacht. Damit bricht der Stellenwert der Klimaängste und des immer weniger durchsetzbaren Kyoto-Programms. Sie sollten im wesentlichen dazu dienen, die industrielle Entwicklung in den aufkeimenden Konkurrenzländern zu stoppen oder ganz zu unterbinden Das erreicht die nun inszenierte Finanzkrise weit besser. Auch wenn Linientreue, wie Frau Merkel, daran festhalten wollen, wird der Einfluß der Klimaangst zurückgehen – und zwar getreu der Lincoln’schen Erkenntnis „Man kann nicht alle Leute, allezeit und überall mit dem gleichen Quatsch belügen“. man braucht von Zeit zu Zeit schon mal etwas Neues.

Noch ist wenig bekannt, welche Position sich die BRIC-Länder für die Neuregelung des Finanzsystems, die auf dem Weltfinanzgipfel am 2. April 2009 in London beschlossen werden soll, sich aufschwätzen bzw. aufdrücken lassen. Doch deutet sich in der Südamerika-Strategie Rußlands (nach der Chinas vor wenigen Jahren) an, daß sich die Wiz-Kids der Hochfinanz dabei eine raffinierte Strategie ausdenken müssen. Daß sie dafür gegebenenfalls auch scheinbar beträchtliche finanzielle Rückschläge in den eigenen Reihen einplanen, sollte niemanden überraschen, der die Geschichte ihrer Machtentfaltung seit 1913 oder schon seit 1688 (der Gründung der Bank of England als Abschluß der ersten erfolgreichen translatio imperii von Venedig nach England) verfolgt.

Nicht nur zwischen Rußland und China sind Gespräche über ein vom Dollar unabhängiges Clearing-Verfahren im Außenhandel beider Staaten in Gang gekommen. Etwas Ähnliches deutete sich beim Besuch des russischen Präsidenten Medwedew in Venezuela mit der Gründung einer russisch-venezolanischen Bank an. „Wir haben mit Präsident Chavez die Möglichkeit besprochen, in den bilateralen Abrechnungen unsere nationale Währung, den Rubel und den Bolivar, zu verwenden“, sagte Medwedew am 26. November auf einer Pressekonferenz in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Dabei wurde auch eine mögliche Mitgliedschaft Rußlands in der Assoziation der Bolivarianischen Alternative für die Amerikas (ABLA) besprochen. „Wir beobachten mit Interesse, wie sich diese Assoziation entwickelt. Heute ist ein weiterer Erfolg erzielt worden […] Wir sind bereit, über Rußlands Teilnahme daran zu sprechen“. Die Staatschefs der ALBA-Länder hatten bei ihrem außerordentlichen Gipfeltreffen in Caracas beschlossen, eine einheitliche Währung – Sucre – zu schaffen, um bei gegenseitigen Geschäften auf den US-Dollar zu verzichten. Der 2004 gegründeten ALBA gehören Venezuela, Kuba, Bolivien, Honduras, Nikaragua und die Dominikanische Republik an. Zum nächsten ALBA-Gipfeltreffen am 14. Dezember sollen 18 Länder Zentralamerikas und der Karibik, die Mitglieder von Petrocaribe sind und denen Venezuela das Erdöl liefert, eingeladen werden.

Das nächste Gipfeltreffen der führenden Repräsentanten der BRIC (Brasilien, Rußland, Indien und China) findet im kommenden Jahr in Rußland statt, teilte Präsident Medwedew am 26.11. nach einem Treffen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva in Rio mit. „Wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die uns die Zugehörigkeit zur BRIC-Gruppe gewährt“. Ein Memorandum über bessere Zusammenarbeit hat (Noch)Nichtmitglied Rußland über seinen Vizepremier Igor Setschin der OPEC für ihr nächstes Gipfeltreffen in Algier überreicht. Ob es darin um mehr als den Ölpreis ging, ist bisher nicht bekannt.

Sollten die Erfolge jahrhundertelanger blutiger Weltpolitik einfach so verschwinden? Schön wär’s ja schon, denke ich – und Sie? Aber wer sorgt dann für die gehörige Portion Angst, die Sklaven brauchen, um als solche weiter dienen zu dürfen.

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